Mittwoch, 8. September 2010
Wolkenkuckucksheim für AKWs
upstream, 00:11h
Aus Wolkenkuckucksheim kommt ein Kreuzzug für die deutsche Atomindustrie - mit längst widerlegten Mythen aus der 50/60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.
Einen Beitrag jener Art mag man auf sich beruhen lassen. Doch ständige Wiederholung bewirkt Akzeptanz jenseits der Intelligenz. - Propaganda wirkt.
Also noch mal deklinieren:
1. Atomkraft sei ungefährlich
Das war die Denke vor 50 Jahren. Für Adenauer waren - damals unwidersprochen - Atomwaffen "so ne Art verstärkter Artillerie", Kernkraft für die "joldene Zukunft" galt als Königsweg der Energieerzeugung, bei deren Erwähnung bekam man glänzende Augen (ich auch, da war ich noch klein), und wer anderer Meinung war hatte sowieso keine Ahnung. Gefahr? Na ja, vielleicht ein Unfall alle 2 Millionen Jahre - rein rechnerisch, aber rechnerisch bedeutet ja auch irgendwie unwirklich. Und heute? O-Ton: "Inhärente Sicherheit, Betriebsrisiko nicht-existent". Welch ein Fortschritt in Wolkenkuckucksheim: Erhöhung der MTBF (Mean Time Between Failures) von 2 Mio. Betriebsjahren auf unendlich. - Toll!
Die Wirklichkeit hat uns ein lange Liste vorgeblich "unmöglicher" Störfälle beschert, darunter zwei Fälle unkontrollierter Kernschmelze, im Fall Tschernobyl sogar mit größflächig unkontrollierter Freisetzung von Radioaktivität. Nehmen wir Tschernobyl als den GAU schlechthin, hat es bis dahin gerade mal 30 Jahre gedauert, als weltweit schätzungsweise 3.000 Betriebsjahre als MTBF. Nach dem Mythos "Made in Germany" vs. "Russenmurks", mag man für aktuelle Anlagen die MTBF doppelt oder dreimal so groß annehmen. Hier interessiert nur die Anzahl der Nullen, in diesem Sinne sind 10.000 Jahre MTBF plausibel.
Immer noch unvorstellbar lange, aber weltweit über 400 Reaktoren "arbeiten" daran - macht rein rechnerisch alle 25 Jahre ein GAU irgendwo auf der Welt. - Jetzt wird das Risiko der Vorstellung zugänglich. Der Mythos der absoluten Sicherheit erweist sich heute als naive Vorstellung der Anfänge vor 50 Jahren.
2. Atomkraft sei wirtschaftlich
"Die ganze Welt betreibt AKWs. Die können doch nicht alle doof sein." Historie: Der Einstieg der deutschen Energieversorger war keineswegs spontan aus kommerziellem Antrieb. Vielmehr kamen die Initiative, Subventionen und Protektion von der Bundesregierung. Diese wiederum motiviert aus strategischen Gründen der zivilen Versorgungssicherheit und - anfangs unter Adenauer und Strauß noch heimlich - wegen der Option auf Atomwaffen. Schauen wir uns mal um: Diese Doppel-Strategie ist weltweit verbreitet. Dabei sind betriebswirtschaftliche Kosten zunächst nachrangig, sie werden bei Bedarf durch entsprechend "günstige Rahmenbedingungen" repariert. (Staatliche Forschungsinstitute, Förderprogramme, gesetzliche Haftungsbegrenzung, oder aktuell die Laufzeitverlängerung sogar für alte C64-AKWs)
- Welcher naive Spinner glaubt denn, Atomkraft an sich sei billig?
Apropos Laufzeitverlängerung: Das Mitverdienen des Bundes implementiert ein finanzielles Eigeninteresse des Bundes am fortgesetzten Betrieb veralteter - tendenziell unsicherer - Anlagen.
3. Atomkraft sei unersetzlich
"Regenerative Energie ist Spielerei, sperrt den alternativen Spinnern mal für einen Monat den Atomstrom", so ähnlich tönt die Propaganda.
Das gleichzeitige Abschalten aller AKWs führt zum landesweiten Schluckauf, ist aber gar nicht das Thema. Fakt ist: Das nutzbare Potential regenerativer Energie übertrifft unseren Primärenergieverbrauch um den Faktor 1000 (tausend). (i. e. Solarenergie in allen Formen wie Wasser, Wind, Biomasse, Fotovoltaik etc.)
Dass manche Technologien heute noch (zu) teuer sind, spricht mittelfristig nicht gegen den Erfolg. - Der Export lässt sich jedenfalls ganz gut an; die weltweiten Kunden sind wohl alle bekloppt. (Haha, kleine Retourkutsche)
Der aktuelle Schwenk der Regierung sichert den "old giants" die Lizenz zum Gelddrucken - zu Lasten innovativer Mittelstandsbetriebe.
Einen Beitrag jener Art mag man auf sich beruhen lassen. Doch ständige Wiederholung bewirkt Akzeptanz jenseits der Intelligenz. - Propaganda wirkt.
Also noch mal deklinieren:
1. Atomkraft sei ungefährlich
Das war die Denke vor 50 Jahren. Für Adenauer waren - damals unwidersprochen - Atomwaffen "so ne Art verstärkter Artillerie", Kernkraft für die "joldene Zukunft" galt als Königsweg der Energieerzeugung, bei deren Erwähnung bekam man glänzende Augen (ich auch, da war ich noch klein), und wer anderer Meinung war hatte sowieso keine Ahnung. Gefahr? Na ja, vielleicht ein Unfall alle 2 Millionen Jahre - rein rechnerisch, aber rechnerisch bedeutet ja auch irgendwie unwirklich. Und heute? O-Ton: "Inhärente Sicherheit, Betriebsrisiko nicht-existent". Welch ein Fortschritt in Wolkenkuckucksheim: Erhöhung der MTBF (Mean Time Between Failures) von 2 Mio. Betriebsjahren auf unendlich. - Toll!
Die Wirklichkeit hat uns ein lange Liste vorgeblich "unmöglicher" Störfälle beschert, darunter zwei Fälle unkontrollierter Kernschmelze, im Fall Tschernobyl sogar mit größflächig unkontrollierter Freisetzung von Radioaktivität. Nehmen wir Tschernobyl als den GAU schlechthin, hat es bis dahin gerade mal 30 Jahre gedauert, als weltweit schätzungsweise 3.000 Betriebsjahre als MTBF. Nach dem Mythos "Made in Germany" vs. "Russenmurks", mag man für aktuelle Anlagen die MTBF doppelt oder dreimal so groß annehmen. Hier interessiert nur die Anzahl der Nullen, in diesem Sinne sind 10.000 Jahre MTBF plausibel.
Immer noch unvorstellbar lange, aber weltweit über 400 Reaktoren "arbeiten" daran - macht rein rechnerisch alle 25 Jahre ein GAU irgendwo auf der Welt. - Jetzt wird das Risiko der Vorstellung zugänglich. Der Mythos der absoluten Sicherheit erweist sich heute als naive Vorstellung der Anfänge vor 50 Jahren.
2. Atomkraft sei wirtschaftlich
"Die ganze Welt betreibt AKWs. Die können doch nicht alle doof sein." Historie: Der Einstieg der deutschen Energieversorger war keineswegs spontan aus kommerziellem Antrieb. Vielmehr kamen die Initiative, Subventionen und Protektion von der Bundesregierung. Diese wiederum motiviert aus strategischen Gründen der zivilen Versorgungssicherheit und - anfangs unter Adenauer und Strauß noch heimlich - wegen der Option auf Atomwaffen. Schauen wir uns mal um: Diese Doppel-Strategie ist weltweit verbreitet. Dabei sind betriebswirtschaftliche Kosten zunächst nachrangig, sie werden bei Bedarf durch entsprechend "günstige Rahmenbedingungen" repariert. (Staatliche Forschungsinstitute, Förderprogramme, gesetzliche Haftungsbegrenzung, oder aktuell die Laufzeitverlängerung sogar für alte C64-AKWs)
- Welcher naive Spinner glaubt denn, Atomkraft an sich sei billig?
Apropos Laufzeitverlängerung: Das Mitverdienen des Bundes implementiert ein finanzielles Eigeninteresse des Bundes am fortgesetzten Betrieb veralteter - tendenziell unsicherer - Anlagen.
3. Atomkraft sei unersetzlich
"Regenerative Energie ist Spielerei, sperrt den alternativen Spinnern mal für einen Monat den Atomstrom", so ähnlich tönt die Propaganda.
Das gleichzeitige Abschalten aller AKWs führt zum landesweiten Schluckauf, ist aber gar nicht das Thema. Fakt ist: Das nutzbare Potential regenerativer Energie übertrifft unseren Primärenergieverbrauch um den Faktor 1000 (tausend). (i. e. Solarenergie in allen Formen wie Wasser, Wind, Biomasse, Fotovoltaik etc.)
Dass manche Technologien heute noch (zu) teuer sind, spricht mittelfristig nicht gegen den Erfolg. - Der Export lässt sich jedenfalls ganz gut an; die weltweiten Kunden sind wohl alle bekloppt. (Haha, kleine Retourkutsche)
Der aktuelle Schwenk der Regierung sichert den "old giants" die Lizenz zum Gelddrucken - zu Lasten innovativer Mittelstandsbetriebe.
... comment